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Klosterer zelebrierten ein tolles Fußballfest

Kategorie: Fußball 1. MannschaftDatum: 28.08.2017
Klosterer zelebrierten ein tolles Fußballfest

Nach einem nervösen Beginn, bot der SV Seligenporten dem großen Favoriten TSV 1860 München mächtig Paroli und ergatterte mit einem 0:0 einen vorher allenfalls im Stillen erhofften Zähler.

Blau-Weißer Sommerhimmel, ein ausverkauftes Stadion, gefüllt mit einem enorm stimmungsvollen, aber friedlichen Publikum, dazu zwei sich intensiv bekämpfende Mannschaften. Dies alles gekrönt mit einem vorher allenfalls im stillen erhofften Zähler – das 0:0 gegen den TSV 1860 München wird als  ein ganz besonderes Kapitel in die Geschichte des SV Seligenporten eingehen.
Freilich war es aufgrund der klaren Mehrzahl der Gästechancen ein durchaus etwas glücklicher Teilerfolg, den sich die Klosterer und ihr unermüdlich kommandierender sowie korrigierender Trainer Roger Prinzen mit immenser Laufarbeit und einer vorzüglichen Mannschaftsleitung aber auch mehr als redlich verdienten. Dass dieses nicht nur vom Tabellenstand so ungleiche Duell durchaus das Potenzial für eine Überraschung bergen könnte, ahnte ein Fan der Münchner schon eine gute Stunde vor dem Anpfiff, indem er orakelte, dass „ich schon einen Sieg erwarte, ich aber glaube, dass der SV Seligenporten stärker ist, als es der Tabellenplatz aussagt“.
Zu Beginn der Partie schien es tatsächlich darauf hinauszulaufen, dass die Klosterer über den Status des Kanonenfutters nicht hinauskommen würden. Angefeuert von seinem zahlenmäßig weit mehr als turmhoch überlegenen Anhang, der die Klosterluft in ein von Trommelschlägen wummerndes, von Gesängen durchsetztes und auf der Haut schier prickelndes Gasgemisch verwandelte, gab der große Meisterschaftsfavorit sofort Vollgas. So konnte die SVS-Abwehr nach einem Durcheinander im Strafraum nur mit Mühe zur Ecke klären. Diese, von Timo Gebhard hereingegeben, fand Lino Tempelmann, dessen Schuss aber abgeblockt wurde (2.). Angeführt von den mit enormer körperlicher Wucht ausgestatteten Gebhard und Sascha Mölders, rollte Angriff um Angriff auf das von Sebastian Kolbe gehütete SVS-Tor zu. Der aber stellte sich der „Löwenmeute“ mutig entgegen und entschärfte erst einen Knaller von Nico Karger reaktionsschnell (8.), um wenig später auch gegen Gebhard die Oberhand zu behalten. Die Nummer 10 der Münchner war es dann auch, der statt den mitgelaufenen Mölders zu bedienen, dass im Endeffekt falsche Mittel wählte und aus spitzem Winkel nur das Außennetz traf (17.). In der Folge legten auch Kolbes Vordermänner ihre anfänglich nicht zu übersehende Nervosität ab saugten die von den 3481 Zuschauern ausgehende, wunderbar positive Energie in sich auf. Egal, auf welcher Position auch immer, die Prinzen-Kicker machten sich nun daran, ihren Kontrahenten mit einer beeindruckenden Entschlossenheit und unermüdlicher Laufarbeit die Stirn zu bieten. Diese kollektive Disziplin bereitete dem Gast zunehmende Schwierigkeiten. Der versuchte nun die ständigen Zweikämpfe mit langen Bällen zu umgehen – die aber meist von der von Stanislaus Herzel und Kevin Woleman so umsichtig wie klug geführten Klosterabwehr abgefangen wurden. Und fand dieses Stilmittel doch einmal den richtigen Adressaten, bildete der famose Kolbe eine nicht zu überwindende Hürde.
Damit aber nicht genug: Allmählich fanden die Klosterer auch im Spiel nach vorne gefallen. So musste 60-Keeper Marco Hiller alles aus sich herausholen, damit er einen Fernschuss von Raffael Kobrowski parieren (63.) konnte. Vier Minuten später musste Hiller gegen Danillo Dittrich retten, bevor Fotios Katidis knapp am rechten Pfosten vorbeiköpfte (69.). Jetzt trauten sich auch  sich die SVS-Fans aus der Reserve und spendeten ein- ums anderemal Szenenapplaus. Trainer Roger Prinzen sah nun die Zeit gekommen, um mit Sasha Diakiese eine neue Offensivkraft zu bringen. Der aus der U23 hochgezogene Österreicher führte sich auf seiner linken Seite mit zwei sehenswerten Soli glänzend ein. Diakiese – der nach nur 19 Minuten mit verstauchtem Knöchel wieder raus musste – leitete eine weitere SVS- Chance ein, als er die Kugel  zu Katidis flankte, der Kobrowski in Szene setzte, dessen Heber aber am Tor vorbei ging (73.). Nun machte sich der zwischenzeitlich ziemlich aus der Spur geratene, von seinem erbosten Coach Daniel Bierofka angetriebene TSV 1860 wieder daran, seinen herzerfrischend wirbelnden Gegner in die Schranken zu weisen, hatte aber einmal mehr die Rechnung ohne Kolbe gemacht. Denn der Teufelskerl im Kloster-Kasten brachte auch den eingewechselten Markus Ziereis mit zwei famosen Paraden (76., 80.) zur Verzweiflung. Nachdem Markus Steinhart in der für sämtliche Klosterherzen infarktgefährdeten, weil vier Minuten langen Nachspielzeit einen Freistoß ins Aus beförderte, blies der souveräne Bundesliga-Schiedsrichter Marco Achhammer (Würding) das Letzte Mal in die Pfeife, was die Tribüne nun von begeisterten SVS-Rufen erbeben ließ.             (nuw)
Stimmen zum Spiel:
Roger Prinzen, Trainer SV Seligenporten: „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. 1860 hatte klar mehr Spielanteile und wir vor allen auch das nötige Glück. In der zweiten Halbzeit konnten wir uns öfter befreien und haben mit viel Leidenschaft das Spiel über die Zeit gebracht. Mit der Einwechslung von Sasha Diakiese wollte ich die linke Seite beleben, was auch gut gelungen ist. Schade dass er sich nach so kurzer Zeit den Knöchel verstaucht hatte und raus musste. Nach den vielen Spielen zuletzt laufen wir auf dem letzten Zylinder, deshalb gebe ich der Mannschaft jetzt zwei Tage frei und dann beginnt die Vorbereitung auf das Spiel gegen Illerissen.“

Daniel Bierofka, Trainer TSV 1860 München: „Ich wollte mit meiner Mannschaft hier natürlich drei Punkte holen. Der Torwart von Seligenporten war heute für mich „Man oft he Match“. Sensationell, war der alles gehalten hat. Trotzdem aber hätten wir gewinnen müssen, wenn man sich die Chancen anschaut. An manchen Tagen kriegst du halt nichts rein und musst dann am Ende froh sein, dass du das Spiel nicht verlierst. Ich habe den SVS gegen Bayreuth gesehen, wo sie sehr gut gespielt haben. So sind wir auch mit dem einen Punkt letztlich nicht unzufrieden.“

Julian Schäf, dienstältester Klosterer: „Dieses Spiel war von der Stimmung her höchstens mit dem Spiel gegen den FC Bayern zu vergleichen. Nach recht viel Respekt in der Anfangsphase, haben wir ein sehr gutes Spiel gezeigt. Wir können richtig stolz auf uns sein.“

Kevin Woleman, SVS-Innenverteidiger: „Wir waren zu Beginn recht nervös, haben dann aber voll dagegen gehalten und uns diesen Punkt absolut verdient.  Auf diese Leistung müssen wir aufbauen.“

Raffael Kobrowski, SVS-Stürmer: „Ich habe noch nie vor solch einer Kulisse gespielt und war deshalb vor Beginn etwas nervös. Im Spiel aber habe ich richtig Spaß gehabt. Wir sind alle unheimlich viel gelaufen und eine klasse Mentalität an den Tag gelegt.“

Markus Turinski, geschäftsführender erster SVS-Vorsitzender: „Ich bin mehr als zufrieden. Sowohl was das Ergebnis, als auch was den Ablauf insgesamt angeht. Von einer beschädigten Bande abgesehen, gab es keinerlei Vorkommnisse. Da hatten wir schon Spiele, wo es in dieser Beziehung schlimmer war.“

Karsten Wettberg, Trainerlegende: „Insgesamt war es ein Spiel mit einer sehr guten Atmosphäre. Der SVS hat nicht gespielt wie ein Letzter. Zum TSV 1860 muss ich sagen: Wenn man so viele Chancen vergibt, bracht man sich über das Resultat nicht zu wundern. Außerdem hat 60 zu oft mit hohen Bällen agiert.“
 

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